Im Retrieverparadies
Irgendwie bekomme ich immer mehr den Eindruck alle Aktivitäten mit dem Hund erfordern einen ziemlich frühen Start in den Tag. Das lässt sich aber vermutlich durch die in der Regel benötigte Anreisedauer von mindestens zwei Stunden nicht verhindern. Tja, was soll ich sagen, heute hat sich das zeitige Aufstehen mal wieder voll und ganz gelohnt. Stephan freute sich bereits seit der Anmeldung für das Wasserseminar auf diesen Tag. Endlich war es nun so weit. Ach und eine kleine Warnung vorne weg: dieser Artikel fällt etwas lääääääänger aus als gewöhnlich. ;)

Morgens fielen wir gegen 5.00 Uhr aus den Federn. Unsere Sachen hatten wir bereits am Vortag gepackt. Die gut 240 Kilometer zum Wassergelände bei Gut Sunder wollten erst einmal hinter sich gebracht werden. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Witzig war nur, dass wir kurz vor unserer Ankunft mitten durch ein großes Truppenübungsgelände fuhren und uns ein wenig fehl am Platze fühlten. Auf dem Parkplatz angekommen trafen wir direkt Thomas und ein paar der anderen Mitstreiter. Nach einer kurzen Pause wurden wir auch schon von Carsten Schröder eingesackt und zum noch im Nebel liegendem Gelände der Zuchtfischerei mit seinen diversen natürlichen Wasserbecken gebracht.
Zum Einstieg sollte sich jeder kurz vorstellen. Carsten wollte außerdem wissen, was unsere Wünsche und Ziele hinsichtlich des heutigen Seminars sind. Überraschung, Überraschung, wir waren die Jüngsten und Unerfahrensten am Wasser. Aber kein Problem, wir werden das Schiff schon schaukeln! ;) Neben Edison gab es noch sieben weitere Hunde: die Labradore Choyce, Elli, Enyo, Henry und Thula, Curly Riccio sowie Flat Eaton. Also alles in allem eine schöne Mischung bestehend aus vier der sechs Retrieverrassen.
Nach der Einführung ging es dann auch direkt los. Edison durfte als Erster mit seinen Übungen starten. Um die Wasserdummies besser kennenzulernen, gab es für den Anfang ein paar Apports an Land. Diese neuen Plastedummies fand unsere Fellnase natürlich total klasse, so dass er die ersten paar Male lustig damit herumspielte. Das legte sich aber ganz schnell und die Strecke zum Dummy konnte von Carsten dabei immer mehr vergrößert werden. Nach dieser kurzen Gewöhnungsphase landeten die Dummies bereits im Teich in Ufernähe. Da Edison dazu im 90°-Winkel abbiegen musste, gab Carsten ihm einen kleinen Hinweis in Form eines ausgestrecken Armes, sobald er auf der richtigen Höhe war. Bei dieser kurzen Distanz im Wasser blieb es natürlich nicht. Nach und nach wurden die Dummies weiter ins Wasser geworfen, die Winkel verändert, sowie unterschiedliche Einstiege rund um den Teich gewählt.
















Im zweiten Teil ging es dann zu einer Stelle, wo sehr viel Schilf direkt am Ufer lag. Es sollte bei den folgenden Übungen darum gehen, Edison das Schilf näher zu bringen und ihn davon zu überzeugen die Dummies darin zu suchen (Freiverlorensuche). Den anfänglichen Respekt – das Schilf ist für Hunde erst einmal wie eine Wand im Wasser – legte er sehr schnell ab. Nach und nach schwomm er immer weiter ins Schilfdickicht und apportierte fleißig. Dabei war er anfangs noch ein wenig zaghaft und suchte sich immer Stellen, wo er gut durchschwimmen konnte. Carsten meinte mit fortgeschrittenem Alter und mehr Erfahrung brechen die Hunde dann irgendwann einfach mitten durch und bahnen sich so ihren Weg durchs dichte Schilf. Alles in allem bestritten Stephan und Edison die Aufgaben von mehreren Einstiegen aus, wobei er mit ihm auch gleich noch Fußarbeit sowie das Absetzen und Heranrufen übte. Abschließend gab es dann Manöverkritik von Carsten, die uns sehr glücklich machte. Er sagte, die beiden Jungs wären ein gut eingespieltes Team: die Signale werden eindeutig formuliert und zielbewusst durchgesetzt. Man sähe Stephan an, dass er einen Plan habe. Zudem sei Edison für sein Alter schon verdammt weit. Toll, toll, toll! :)



Danach waren erst einmal die anderen an der Reihe. Besonders viel Spaß hat es gemacht, den erfahrenen Teams bei den Apports über Kreuz, aus der Reihe heraus und bei den weiträumigen Suchen im weit entfernten Schilf zuzuschauen. Wirklich faszinierend mitzuerleben, wozu die Hunde nach langjährigem Training in der Lage sind. Alles Szenarien, auf die wir uns für die Zukunft freuen können. Carsten gab uns dann den Tipp zwischendurch ruhig nochmal mit Edison die Gegend zu erkunden. Das ganze Gelände stünde uns zu Trainingszwecken zu Verfügung. Er dürfe auch in jeden See springen. Wow! Das nahmen wir natürlich zum Anlass und drehten eine größere Runde mit ihm.















Bevor es in die Mittagspause ging, waren Stephan und Edison noch einmal dran. Jetzt ging für Stephan ein kleiner Traum in Erfüllung: Wasserapport mit Geländewechsel. Edison wurde aus der Grundposition heraus durch einen kleineren Teich geschickt, um dann über ein kleines Stückchen Land hinweg in den nächsten großen See zu springen, wo die Markierung gefallen war. Das beobachten zu können war einfach nur klasse für mich. Voller Elan machte unser kleiner roter Blitz genau was er sollte und sah dabei total begeistert aus. Für den Anfang gab es noch eine kleine Anzeigehilfe von Carsten, damit Edison mit Schwung ins zweite Gewässer sprang. Selbst der Rückweg – raus aus dem Wasser, kurz über Land, wieder rein ins Wasser und raus zu Stephan klappte tadellos. Nach ein paar dieser Apports wurden die Strecken über Land länger und die Dummies flogen immer weiter ins Wasser, am Ende sogar bis ins Schilf. Edison machte das fantastisch, so als ob er das schon zig mal gemacht hätte. Dabei war es sein erstes Mal überhaupt!





Zur Abwechslung gab es dann eine kurze Tollingeinheit. Carsten hatte fünf Dummies entlang des Ufers im Wasser versteckt, die Edison einen nach dem anderen apportierte. Das lief wie am Schnürchen. Den Abschluss bildete schließlich die Suche diverser Dummies im Schilf, wobei wieder die Winkel für die einzelnen Apports stark variiert wurden. Beim letzten Dummy, den Edison nicht auf Anhieb fand, ließ er sich sogar von Stephan stoppen (Stopppfiff) und mittels Out einweisen. Echt beeindruckend was unser Kleiner inzwischen alles kann. Ein besseres Erfolgserlebnis für Hund und Halter hätte man sich nicht wünschen können!



Die Mittagspause hatten wir uns echt verdient. Während unserer letzten Übung waren die anderen schon mal so nett die Speisen herzurichten. Und ja, es war wirklich ein tolles Buffet. Dank der vorausgegangenen Planung hatte jeder etwas anderes mitgebracht. Wir hätten allerdings locker noch mal so viele Teilnehmer satt bekommen!
All zu lange hielten wir uns aber nicht damit auf. So ging es direkt mit Übungen am Wasser weiter. Thomas kam für den Anfang noch mit, damit Enyo zwei übrig gebliebene Dummies aus dem Schilf holen konnte. Danach trennten sich unsere Wege recht schnell und für meine Jungs hieß es selbstständiges Training am Schilf. Carsten gab Stephan nämlich die Aufgabe Edison weiter ans Schilf zu gewöhnen, immer wieder mit unterschiedlichen Winkeln, verschiedenen Einstiegen und Entfernungen. Einfach um ihm zu zeigen, dass sich das Bezwingen das Schilfs wirklich lohnt. Eigentlich wollte ich die beiden dabei ein wenig unterstützen, aber blöderweise waren meine Wurfkünste nicht ansatzweise so präzise oder weit, wie die von Carsten und Thomas. Tja, da muss ich wohl noch dran arbeiten. ;)











Irgendwann gesellten wir uns wieder zu den anderen, die in der Zwischenzeit an einem anderen Teich trainierten. Um zu schauen wie Edison inzwischen mit den Schilf klarkommt, warf Carsten eine Makierung ins doch sehr weit entfernte Schilf. Ich hatte den Eindruck, dass unser roter Flitzer zu diesem Zeitpunkt bereits ganz schön geschafft war. Trotzdem hat er auch diesen Dummy mit Begeisterung geholt. Carsten brachte Stephan daraufhin die fünf Aufbauphasen zum Arbeiten / Einweisen im Schilf näher:
- Markierung fliegt ins weit entfernte Schilf, Hund schicken
- Markierung fliegt ins weit entfernte Schilf, mit dem Hund 10m außer Sicht gehen, wiederkommen, Hund schicken (Memory)
- Markierung fliegt ins weit entfernte Schilf, mit dem Hund 10m außer Sicht gehen, währenddessen fliegt ein Blind hinterher, wiederkommen, Hund schicken, erneut mit dem Hund 10m außer Sicht gehen, wiederkommen, Hund schicken
- Mit Hund außer Sicht gehen, Blind fliegt ins weit entfernte Schilf, wiederkommen, Hund schicken (Freiverlorensuche)
An einen Schritt können wir uns leider im Nachhinein nicht mehr erinnern. Mist, Mist, Mist! Es gab einfach zu viel neuen Input an diesem Tag. Wer soll sich das denn alles merken? ;)



Leider steigerte sich Edison am Ufer nach und nach ins Jallern sobald die Dummies für die anderen flogen. Man merkte sichtlich, dass es langsam genug für ihn war. Darum ist Carsten mit den beiden für ihre letzte Übung des Tages zu einem entfernten Uferabschnitt gegangen, das aus einem wahren Schilfdickicht bestand. Edison musste dort erst durchs zwei Meter tiefe Schilf am Ufer, um im Anschluss eine kurze Strecke zu schwimmen und um dann wieder ins Schilf zu gehen, wo die Dummies lagen. An drei unterschiedlichen Einstiegen sollte er jeweils einen Dummy holen. Die ersten beiden holte Edison ohne größere Probleme. Beim letzten Anlauf hatte sich der Dummy jedoch mit seiner Kordel um eine Schilfpflanze gewickelt und wollte sich einfach nicht lösen lassen. Aber Edison gab nicht klein bei und kämpfte ca. eine halbe Minute lang. Dabei riss und zerrte er am Dummy als gäb’s keinen Morgen. Just als Carsten ihm einen Alternativdummy zuwarf, konnte er den Ursprungsdummy befreien. Diesen brachte er dann sogar ohne zu tauschen stolz zu Stephan zurück. Natürlich durfte er danach noch schnell den Ersatzdummy holen.
Das sollte es dann an diesem Tag für uns gewesen sein. Man merkte Edison deutlich an, dass er vor allem kopftechnisch müde war. Die anderen Teams absolvierten noch fleißig weitere Übungen, während Edison am Auto bereits runterfahren konnte. Wir nutzen noch schnell das schöne Licht, um ein paar Aufnahmen von unserem Wasserverrückten zu schießen.



Am Ende des Tages, als alle erschöpft aber glücklich beisammen saßen, gab es ein Résumé von Carsten zu jedem Team. Meinen beiden Jungs bescheinigte er nochmals, dass sie eine tolle Einheit bilden und er ihnen die Dummy A Prüfung bereits in diesem Jahr zutrauen würde. Darüber hinaus habe Edison alle Übungen sehr schnell verinnerlicht und bereits Aufgaben auf Dummy F Niveau gemeistert. Ein tolles Lob nach einem unglaublich schönen Tag. =)
Fazit
Die Zeit verging einfach wie im Flug auf dem traumhaften Gelände mit all seinen unterschiedlich großen Naturteichen und Seen. Thomas übertrieb wahrlich nicht als er vom Retrieverparadies sprach. Zudem war es eine unheimlich sympathische Gruppe, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. An dieser Stelle möchten wir uns bei Thomas bedanken, der uns dieses Seminar überhaupt erst ermöglichte und bei Carsten, der mit seiner ruhigen Art ein spitzen Training mit vielen spaßigen Aufgaben individuell auf jeden zugeschnitten absolvierte. Wir haben verdammt viel dazugelernt und werden noch lange von diesem Tag zehren. Danke!
Edison war heute echt fleißig. Er durfte bestimmt an die 50 Dummies aus dem Wasser fischen. Wir hatten vor allem das Gefühl, dass er die Bedeutung des Vorans so richtig verinnerlichte und zu unserer Freude war er sogar im Wasser einweisbar. Darüberhinaus schüttelte er sich nie solange er das Dummy noch im Maul hatte, gab das Dummy wie gewöhnlich in der Ausgangsstellung ohne Probleme aus und sprang nicht ein. Was will man mehr von so einem Tag? Wir sind mächtig stolz auf unsere rote Fellnase und freuen uns schon jetzt aufs nächste Jahr. Also Daumen drücken, dass es bei dem gemachten Termin bleibt!